Eingeschränkte Lehrbefähigung, sogenannte Kleine Fakultas

 

Eine Lehrbefähigung für das Lehramt an Gymnasien kann nur auf dem Wege der Ersten Staatsprüfung oder einer Erweiterungsprüfung[1] nach der jeweils gültigen Prüfungsordnung[2] erworben werden. Ausnahmen bilden das jeweils zweite Fach neben Kunst und Musik. Kandidaten, welche die Prüfung im Fach Kunst oder Musik ablegen wollen, können entscheiden, ob sie in ihrem zweiten Fach die Prüfung nach Anforderungen der Ersten Staatsprüfung für das gymnasiale Lehramt oder nach den Anforderungen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen mit dem Ziel einer auf die Klas­sen­stufen 5 bis 10 des Gymnasiums beschränkten Lehrbefähigung ab­le­gen wollen.

 

Wer die Erste Staatsprüfung für eine Lehrerlaufbahn ablegt oder bereits bestanden oder eine als gleichwertig anerkannte Prüfung bestanden hat, kann in den vom Bildungsministerium genehmigten Fächern, Fachrichtungen oder schulisch relevanten Aufgabenfeldern Ergänzungsprüfungen als Arbeitsgrundlagen für Schule und Unterricht ablegen, soweit es das Lehrangebot der Hochschule zulässt. Zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung sind Studien an Universitäten oder gleichgestellten Hochschulen im Umfang von 18 bis 20 SWS und 3 Leistungsnachweise erforderlich. Eine gleichwertige Vorbereitung kann auch durch Einrichtungen der Lehrerfortbildung erfolgen, die vom Bildungsministerium als geeignet anerkannt worden sind. Die Prüfung wird studienbegleitend abgelegt. Derzeit können Sie solch eine  Ergänzungsprüfung in den Fächern Friesisch, Französisch, Spanisch und Italienisch ablegen. Die Anmeldung zu den Prüfungen und die Durchführung der Prüfungen erfolgt an der jeweiligen Hochschule. Das Zeugnis erhalten Sie im Prüfungsamt für Lehrerinnen und Lehrer.

 

Eine Zwischenprüfung in einem weiteren Fach neben den beiden Fächern der Ersten Staatsprüfung ist nicht mit einer eingeschränkten Lehrbefähigung, etwa für die Klas­sen­stufen 5 bis 10 des Gymnasiums, gleichzusetzen. Gleichwohl kann es im Einzelfall vorkommen, dass in den Schulen Lehrkräfte in Fächern, in denen sie nicht ihre Erste und Zweite Staatsprüfung abgelegt haben, eingesetzt werden. In der schulischen Praxis werden diese Fächer als Neigungsfächer bezeichnet. Eine rechtliche Grundlage gibt es nicht. 

 

9.11.2009 [Eckhard Dau]



[1] § 20 Abs. 1 der POL I (siehe Fußnote 2)

[2] Landesverordnung über die Ersten Staatsprüfungen der Lehrkräfte (Prüfungsordnung Lehrkräfte I – POL I) vom 22. Januar 2008 (NBl. MWV. Schl.-H. 2008 vom 5. März 2008, S. 2) dazu Erlasse vom 15.1.2004, III 501 – 3323.55